LED-Test: IKEA Ledare GU10-LED vs. Halogen im Vergleichstest

IKEA Ledare GU10 im Test

Hier ist sie die LED von IKEA mit GU-10 Sockel aus der Ledare-Serie. Deutlich zu erkennen sind die zwei LEDs unter der milchigen Optik. Was die LED taugt, erfahrt ihr genau hier in diesem ausführlichen Test-Bericht.

Testquellen im Internet und Blogs sind natürlich immer seriöser, wenn sie selbst das tun, was sie tagtäglich predigen. Und gestern habe ich mir spontan 5 Ledare 200lm GU10-LEDs von IKEA mitgenommen, die ich heute für euch sehr ausführlich getestet habe. Für unsere FAQ-Section habe ich vor kurzem schon einen Ratgeber geschrieben, wie man Glühlampen ganz einfach durch LEDs ersetzen kann und jetzt habe ich mich quasi an meinem eigenen Ratgeber bedient.

Die alte Niedervolt-Halogenlampe sollte weg, dagegen eine schlichte 230V-Leuchte mit GU10-Sockeln her. Da ich drüben bei Wolfgang schon viel gutes über die große Ledare LED mit E27-Fassung gelesen habe, dachte ich ich teste mal die “kleinen Brüder” mit GU10-Sockeln und 200 statt 600 Lumen. Diese kosten ebenfalls rund 7 Euro beim schwedischen Möbelhaus.

Ikea-Leuchte mit Ledare LEDs

Für diese Leuchte von IKEA, die gerade einmal 30€ kostete, habe ich mich entschieden. Mitgeliefert werden keine Leuchtmittel, empfohlen werden aber die Ledare 200lm aus diesem Test. Und um genau die soll es hier gehen, das Bild der vollen Leuchte nur der Vollständigkeit halber.

Ledare mit GU-10-Sockel im Test: Was erwartet uns?

Bevor wir über den Tellerrand schauen, möchte ich erst einmal die IKEA-interne Konkurrenz besprechen. Die 35W-Halogenlampe bei IKEA ist dort ebenfalls mit 200lm angegeben. Das wären gerade einmal lausige 6 lm/W, was aber nicht ganz unrealistisch ist, wenn man bedenkt, dass ein Großteil des Halogen-Lichts über einen Reflektor umgelenkt werden muss. Es geht hierbei wohl, um das gesamte Licht, das vorne heraus kommt und nicht nur um die Effizienz der Lichterzeugung selbst.

Dagegen steht eine 4W LED, die ebenfalls mit 200 Lumen angegeben ist. Diese Rechnung kriege auch ich noch im Kopf hin, man kommt dabei auf 50 lm / Watt. Klingt auf den ersten Blick gar nicht so toll, sollte es sich hierbei allerdings auch um die Gesamtlichtausbeute inkl. aller Verluste durch die Optik sein, wäre das ein recht guter Wert. Dies würde darauf schließen lassen, dass das LED-Bauelement selbst eine deutlich höhere Lichtausbeute hat (ich denke hier an 80 oder 90 lm/W). (Danke an Wolfgang Messer für folgenden Hinweis: “Laut EU-Vorgabe darf bei Richtstrahlern nur der Lichtstrom innerhalb eines 90-Grad-Winkels angegeben werden. Insgesamt können es also deutlich mehr als 200 lm sein (Streulicht).” – Das wusste ich zuvor nicht, macht aber durchaus Sinn!)

So viel zu den Fakten, schauen wir uns einfach an, wie die Test-Realität aussieht:

Testergebnisse zu Helligkeit und Farbtemperatur der Ledare GU10

Ledare LED vs. Halogen 35W

Mit diesem Bild wollen wir einmal die Abstrahl-Charakteristik anschauen. Bewusst wurde das weiße Papier hier nicht direkt angestrahlt. Links die Ledare LED, rechts die 35W-Halogen. Auf Höhe des weißen Papiers kommt noch deutlich Licht von beiden Lampen; je weiter man im Bild nach außen geht, desto eher enthält man ein isoliertes Bild der Lampen.

Abstrahlwinkel und Abstrahlverhalten

Dieses erste Bild soll uns nun einmal einen Überblick verschaffen, wie sich die LED bezüglich der Helligkeit und der Farbtemperatur gegen eine herkömmliche 35-Watt-Halogenbirne schlägt. Sofort fällt auf, dass die Abstrahlcharakteristik von beiden Leuchtmitteln nicht perfekt ist. Die Halogen-Lampe bildet auf Grund ihres Reflektors einen starken Hotspot. Das heißt, es gibt Stellen, die deutlich stärker ausgeleuchtet sind als andere. Die LED ist dagegen deutlich gleichmäßiger, was die Ausleuchtung angeht.

Aber auch die LED ist vom Abstrahlverhalten her nicht perfekt. Man sieht einen Hotspot bezüglich der Lichtfarbe. Im Zentrum des Lichtkegels beträgt die Farbtemperatur etwa 2700K, worauf auch die Kamera kalibriert wurde. Man kann deutlich erkennen, dass die Farbtemperatur nach außen ansteigt: Das Licht wird also nach außen hin wärmer.  Die Farbtemperatur steigt nach außen hin nicht an, das wirkt lediglich so auf das menschliche Auge. In Realität handele es sich lediglich um Helligkeitsunterschiede, so W. Messer unter Bezugnahme auf Labormessungen seines Partners. Ich möchte natürlich anmerken, dass die Kamera für solche Unterschiede deutlich sensibler ist, als das menschliche Auge. In echt fällt dies kaum auf. Selbst wenn, würde ich es als weniger störend empfinden als die Hotspots der Halogen-Lampe.

Farbtemperatur der Ledare-LED

Farbtemperatur-Test LED Ledare vs. 35W Halogen

Dieses mal ist das weise Papier im Fokus der Lampe. Erneut wurde die Kamera auf ca. 2700 K kalibriert. Wieder links die Ledare, rechts die Halogen 35 Watt. An den Schatten sieht man, dass die Lampen jeweils auf die andere Seite übersprechen. Im nächsten Abschnitt werden die Lampen dann komplett seperat betrieben.

Schon im letzten Bild konnte man den Unterschied der Farbtemperatur erkennen, hier nun aber nochmal ein Bild in dem das weiße Papier aus ca. 60cm Entfernung von den beiden Spots fokusiert wurde. Es soll hier um die Farbtemperatur im Zentrum der LED bzw. Halogenlampe drehen, es gilt also nur das weiße Papier zu beachten. Da ich aber nichts schönreden möchte, habe ich bewusst das Bild nicht zurechtgeschnitten. Im Zentrum trifft die LED wohl ziemlich genau die 2700K, die Halogenbirne unterscheidet sich nicht stark. Man erkennt aber dennoch, dass die Halogenbirne etwas kälter ist, ich würde auf ca. 3000K tippen.

(Ich habe leider keinen wissenschaftlich korrekten Weg, um die Farbtemperatur zu messen, ich kann lediglich die Farbtemperatur an der Spiegelreflex einstellen und schauen, wann der Lichtkegel der Lampe in dieser Einstellung neutralweiß erscheint. Natürlich ist dies nicht perfekt genau, aber das ist auch das menschliche Augen nicht. Im Gegenteil es ist diesbezüglich sehr anpassungsfähig.)

Man kann nicht von DER Farbtemperatur der Halogenbirne sprechen. Auch bei Halogenlampen gibt es enorme Schwankungen. Während meines Tests ging mir eine bereits gebrauchte 35W-Halogenbirne kaputt. Diese Birne war von Ihrer Farbtemperatur deutlich kälter. Sie traf genau die 3200K-Einstellung meiner Kamera. Die Ersatzbirne dagegen war deutlich wärmer und somit auch näher an der LED dran. Dies deckt sich mit meiner Erfahrung aus der Veranstaltungstechnik, dass Halogen-Leuchtmittel gegen Ende ihrer Lebensdauer kälter (und dadurch oftmals gefühlt auch heller) werden. Es gibt bei Halogen-Lampen also Schwankungen auf Grund von Fertigungsunterschieden und auf Grund von Alterungserscheinungen. Die LEDs, die ich vorliegen habe, sind zumindest untereinander alle – soweit ich das ohne Labormessung beurteilen kann – konstant.

Helligkeit LED 4W vs. Halogen 35W

Da Abstrahlwinkel und Helligkeit auf mich subjektiv identisch wirken, kann man tatsächlich sagen, dass die LED rund 88% Energie spart. Dies trifft also ziemlich genau die Werbeaussage von IKEA.

Farbwiedergabe: Wie natürlich ist das Licht der Ikea-LED?

Nun kommen wir zu dem Bereich, der mich am meisten von dieser LED begeistert, dem Farbwiedergabe-Index. Dieser wird von IKEA lediglich mit “über 80″ angegeben.

Farbwiedergabe der Ledare LED gegen Halogen getestet.

In diesem Bild sind alle Kamera-Einstellungen identisch gehalten. Lediglich die Farbtemperatur wurde – wie im Bild vermerkt – angepasst. Die Einstellungen dieser Bilder: ISO 100, F5.6, 1/20s Belichtung, 72mm Brennweite.

Bevor ich diesen Test begonnen habe, war mein subjektiver Eindruck der Farbwiedergabe dieser LED bereits sehr gut. Einen der 5 Spots in meiner Lampe hatte ich auf ein rotes Bild gerichtet, das erstaunlich gut zur Geltung kam. Besonders die Rotwerte waren traditionell immer ein kleines Problem für LEDs.

Nun hatte ich ein kleines Problem: Wie könnte ich einen objektiven Vergleichstest gegen die Halogenlampe durchführen? Beide haben unterschiedliche Farbtemperaturen. Würde ich Farbtemperatur also auf einen Wert festlegen, würde ich das Ergebnis zugunsten dieser Lampe verfälschen. Für das Auge sind diese Unterschiede minimal, die Kamera reagiert aber äußerst sensibel darauf. Daher entschied ich mich 4 Bilder aufzunehmen. LED vs. Halogen bei 2700K (dies erfreut die warme LED) und LED vs. Halogen bei 3200K (dies erfreut die etwas kältere Halogen). Das Ergebnis aus diesen vier Test sieht man in obigem Zusammenschnitt. Außer dem Beschneiden wurde an diesen Bildern nichts verändert. Natürlich mussten die Bilder für das Web komprimiert werden, wer eine Original-Aufnahme sucht, darf mir gerne eine Email schreiben.

Interpretation der Ergebnisse zum Farbwiedergabe-Test

Natürlich ist dieser Test nicht so objektiv wie ein Labortest. Aber dennoch kann man einige Schlüsse daraus ziehen. Der erste wäre, dass kaum Unterschiede zwischen Halogen und LED bestehen. Der nächste ist, dass die LED nicht an das Gelb der Halogen herankommt (Vergleich Bild oben rechts vs. unten links). Dagegen zeigt die LED in allen Bildern einen deutlich besseren Kontrast zwischen Rot und Orange. Ich kann keinen klaren Sieger bestimmen und genau das ist ein Sieg für die LED: Ich kann sie kaum von der Halogen-Lampe unterscheiden, der Farbwiedergabe-Index ist somit also sehr gut!

Ausschnitte der Bilder habe ich hier nocheinmal zusammen geschnitten:

Farbwiedergabe der Ledare LED im Detail

Farbunterschiede zwischen den LEDs. Diese Bilder sind lediglich vergrößerte und zusammen geschnittene Ausschnitte des obigen Bildes. Ansonsten wurde nichts verändert.

Haltbarkeit der IKEA-LED

Nun kommen wir zu dem Bereich, der für die meisten wohl der spannendste ist. Alle finanziellen Vorteile überwiegen nur, wenn die Lampe wirklich lange hält, da der Kaufpreis mit 7€ zwar günstig, aber dennoch deutlich teurer als der einer herkömmlichen Halogenlampe ist. Da ich die Lampen nun seit erst ca. 24 Stunden betreibe, kann ich dazu natürlich noch nicht viel sagen, werde diesen Beitrag aber aktualisieren, sobald ich neue Erkentnisse habe. Dennoch kann ich eine auf Fakten basierende Prognose wagen. Dazu sollten wir uns die LED einmal von innen anschauen.

LED Chips der Ledare LED ohne Optik

Entfernt man die Optik der LED zeigen sich die zwei Chips. Auffällig: Die SMD-Chips haben keinerlei Optiken, sie sind perfekt flach. Die komplette Bündelung und Streuung geschiet also an Hand der aufgesetzten Plastik-Optik

Von außen wird die LED auch nach mehrstündigem Betrieb gerade einmal handwarm. Man kann sie problemlos unbegrenzt lange anfassen. Den letzten Satz könnte man durchaus missverstehen, er soll selbstverständlich nicht zum Anfassen der LED motivieren. (Achtung Verbrennungsgefahr!). Wolfgang berichtete mir, er habe 53 Grad Celcius in einer offenen Fassung gemessen. Ich konnte (nicht nachmachen!) die herausgeschraubte Lampe nach 6-stündigem Betrieb (gerade eben getestet) problemlos 30s anfassen. Nach dieser Zeit ist die Lampe bereits stark abgekühlt. Temperaturen über 40 Grad Celsius gelten jedoch bereits als gefährlich, somit hat er durchaus recht: Das Wort “handwarm” ist hier fehl am Platz. Der Sinn der ursprünglichen Aussage war folgender: Die Lampe wird weniger heiß als ich zuvor erwartet hätte. Dies hat für mich zwei mögliche Gründe: Entweder die LED ist sehr effizient und die Kühlung funktioniert sehr gut. Oder die Kühlung ist so schlecht, dass die Wärme nicht korrekt nach außen abgeführt wird.

Um dem weiter auf den Grund zu gehen, habe ich die Metallplatte, die bereits als erster Kühlkörper dient, entfernt. Darunter erkennt man, dass diese Platte lediglich über den Außenrand die Wärme an das Gehäuse abgeben kann. Da die Platte geschraubt ist wurde Wärmeleitpaste und kein Wärmeleitkleber verwendet. Hierbei ist soweit alles in Ordnung. Ich könnte keinen Grund erkennen, warum die LED nicht ausreichend gekühlt sein sollte.

Leider habe ich im Moment kein Messgerät zur Hand, mit dem ich die Temperatur auf dem Chip messen kann, dies wird aber noch folgen.

Das Innenleben der LEDARE Led: Kühlung und Treiber

Über die weiße Paste am Rand wird die Hitze der Metallplatte auf der die LEDs direkt montiert sind, an das Gehäuse abgegeben.

LEDARE LED von innen: Hier der Kühler mit den Chips

Dies ist die Rückseite der Metallplatte, auf der die LED-Chips montiert sind.

Somit bleibt abzuwarten, wie sich die LED im Dauertest schlagen wird. Wer noch weitere Meinungen zur Ledare GU10 von IKEA sucht, kann auch mal bei Wolfgang Messer’s Blog fastvoice.net vorbeischauen, dieser hat die gleiche Lampe ebenfalls getestet.

Fazit: Wie hat sich die IKEA LED geschlagen?

Ein ausführlicher Test geht zu Ende: Vorbei sind die Zeiten, in denen LED-Spots nur eiskaltes Licht mit schlechter Farbwiedergabe hinbekommen. Im Gegenteil: Die LEDARE LED GU10 von IKEA ist wärmer als eine Standard-35-Watt Halogenbirne und von der Farbwiedergabe her fast identisch. Dabei verbraucht sie aber nur rund 1/8 des Stroms und kostet “nur” 7€ in der Anschaffung. Nun aber zur entscheidenden Frage:

Werde ich alle 5 LEDs behalten?

Ich werde vier davon behalten. Ich bin voll und ganz mit der LED zufrieden, aber dennoch muss ich eine austauschen: Einer der fünf Spots leuchtet auf meinen Schreibtisch. Dort sitze ich zum Arbeiten und dafür ist mir die Farbtemperatur von 2700 K viel zu warm. Zum Wachwerden und zum Produktiven Arbeiten brauche ich ein deutlich kältere Licht. Ich werde Sie also wohl durch eine LED mit kälterem Licht von Siemens oder Osram austauschen. Dies geht aber nicht gegen IKEA, dies liegt daran, dass IKEA die Lampe lediglich mit einer Farbtemperatur anbietet. Die fünfte, freigewordene LED werde ich aber trotzdem behalten und z. B. in der Küche einsetzen, wo mir das warme Licht sehr gut gefällt.

Was bleibt für die Zukunft

Dies war nun der erste Test eines GU10-Leuchtmittels auf diesem Blog. In Zukunft werden weitere kommen, vor allem die neuen von Osram und Philips interessieren mich sehr. Selbstverständlich werden diese dann auch 1:1 miteinander verglichen.

Du interessiert dich für LED-Leuchtmittel?

Da du es bis ans Ende dieses langen Tests der IKEA-Lampe geschafft hast, hast du dir noch ein paar weitere Informationen zu LEDs verdient. Wie wäre es mit den folgenden Themen?:

Etienne

Etienne

Etienne ist der Gründer dieses Blogs kümmert sich im echten Leben um die Entwicklung, Gestaltung und Vermarktung von Webseiten wie dieser. Er ist großer Fan von hoher Energieeffizienz und beschäftigt sich daher schon seit vielen Jahren mit der LED-Technologie. Etienne kann man auch auf finden oder per Email erreichen.
Etienne
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One Response

  1. >HW says:

    Es ist wirklich so (du hast recht), zu den Rändern des Klichtkegels hin wird die Farbtemperatur niedriger (warm-weißer). In der Mitte ist das Licht kalt-weißer. Das liegt darin, dass Licht rechtwinklig von der LED abgestrahlt durch weniger Farbstoff (gelber/orangener) muss, also kommt mehr der ursprünglich blauen LED durch. Das Licht das nach der Seite der LED austritt, wird durch die Optik (Linse) vor der LED zu den Rändern des Lichtkegels gelenkt. Gerade bei breiteren Abstrahlwinkeln merkt man das deutlich. Ich habe gerade eine am laufen (120 grad winkel) da sieht man das extrem deutlich.

    LG
    Henning

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